Welche Versicherungen braucht ein Barbershop?

Pflicht, empfohlen oder optional? Hier bekommst du die klare Übersicht, welche Versicherungen dein Barbershop wirklich braucht — ob solo oder mit Mitarbeitern.

Übersichtstabelle: Pflicht vs. Empfohlen vs. Optional

VersicherungStatusFür wen?Ab Preis/Monat
Berufsgenossenschaft (BGW)Gesetzliche PflichtAlle Barbershopsumsatzabhängig
BetriebshaftpflichtQuasi-PflichtAlle Barbershops10 €
InhaltsversicherungSehr empfohlenAlle mit eigenem Inventar15 €
RechtsschutzEmpfohlenAb 1 Mitarbeiter25 €
BetriebsunterbrechungEmpfohlenAlle mit laufenden Fixkosten12 €
ElektronikversicherungOptionalBei teurer Technik8 €
Cyber-VersicherungOptionalBei Online-Buchung/Kundendaten15 €
GlasversicherungOptionalBei großen Schaufenstern5 €

Pflicht-Versicherungen im Detail

Berufsgenossenschaft BGW

Die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) ist gesetzlich vorgeschrieben. Das gilt für jeden Friseur- und Barbershop-Betrieb — auch für Solo-Selbstständige. Die BGW ist die gesetzliche Unfallversicherung und greift bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten.

Die Höhe des Beitrags richtet sich nach der Lohnsumme (bei Mitarbeitern) bzw. der Versicherungssumme (bei Selbstständigen). Die Anmeldung muss innerhalb einer Woche nach Betriebsgründung erfolgen.

Achtung: Die BGW-Anmeldung ist Pflicht. Wer sich nicht anmeldet, riskiert Bußgelder und verliert den Unfallversicherungsschutz.

Betriebshaftpflichtversicherung

Die Betriebshaftpflicht ist zwar keine gesetzliche Pflicht. Aber sie ist für jeden Barbershop absolut unverzichtbar. Ohne sie haftest du mit deinem Privatvermögen, wenn ein Kunde durch deine Tätigkeit zu Schaden kommt.

Typische Schadensfälle im Barbershop:

Empfohlene Deckungssumme: mindestens 5 Millionen Euro für Personen- und Sachschäden.

Empfohlene Versicherungen

Inhaltsversicherung

Die Inhaltsversicherung schützt alles, was in deinem Barbershop steht: Friseurstühle, Spiegel, Haarschneidemaschinen, Rasiermesser-Sets, Pflegeprodukte, Handtuchbestände. Bei Feuer, Einbruch, Leitungswasserschaden oder Vandalismus ersetzt die Versicherung den Schaden zum Neuwert.

Die Versicherungssumme sollte dem tatsächlichen Gesamtwert deiner Ausstattung und Waren entsprechen. Für die meisten Barbershops liegt das zwischen 20.000 und 80.000 Euro.

Rechtsschutzversicherung

Streit mit einem Kunden, einem Mitarbeiter oder dem Vermieter kann teuer werden. Die gewerbliche Rechtsschutzversicherung übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten. Besonders wichtig, wenn du Mitarbeiter hast: Arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen (Kündigung, Abfindung, Lohnstreit) können mehrere tausend Euro kosten.

Betriebsunterbrechungsversicherung

Wenn dein Barbershop wegen eines Brandes, Wasserschadens oder Einbruchs vorübergehend schließen muss, laufen Miete, Gehälter und Versicherungsbeiträge weiter. Die Betriebsunterbrechungsversicherung ersetzt den entgangenen Gewinn und deckt laufende Fixkosten.

Optionale Versicherungen

Elektronikversicherung

Schützt Kassensysteme, Tablets für Online-Buchungen und andere elektronische Geräte. Deckt auch Bedienungsfehler und Überspannungsschäden ab — Risiken, die eine normale Inhaltsversicherung oft ausschließt.

Cyber-Versicherung

Relevant, wenn du ein Online-Buchungssystem nutzt oder Kundendaten digital speicherst. Bei Datenverlust, Hackerangriff oder DSGVO-Verstößen übernimmt die Cyber-Versicherung Kosten für Benachrichtigung, Wiederherstellung und Strafen.

Glasversicherung

Sinnvoll bei großen Schaufenstern oder teuren Spiegelwänden. Deckt Glasbruch durch Vandalismus, Sturm oder Unfälle. Besonders in Innenstadtlagen mit viel Glasfront eine Überlegung wert.

Maschinenbruchversicherung

Wenn du hochwertige Spezialgeräte nutzt (z.B. professionelle Haarwaschbecken mit Technik), kann eine Maschinenbruchversicherung sinnvoll sein. Sie deckt Schäden durch Material- oder Konstruktionsfehler.

Solo-Barbier vs. Barbershop mit Mitarbeitern

Dein Versicherungsbedarf ändert sich, sobald du Mitarbeiter einstellst. Hier die Unterschiede:

VersicherungSolo-BarbierMit Mitarbeitern
BGW-AnmeldungPflicht (freiwillig für Selbstschutz)Pflicht (für alle Mitarbeiter)
BetriebshaftpflichtUnverzichtbarUnverzichtbar (höhere Prämie)
InhaltsversicherungSehr empfohlenSehr empfohlen
RechtsschutzOptionalEmpfohlen (Arbeitsrecht!)
BetriebsunterbrechungOptionalEmpfohlen (Gehälter laufen weiter)
D&O-VersicherungNicht nötigBei GmbH empfohlen

Tipp für Solo-Barbiere: Starte mit Betriebshaftpflicht + Inhaltsversicherung. Das reicht als Grundschutz. Sobald du den ersten Mitarbeiter einstellst, prüfe Rechtsschutz und Betriebsunterbrechung.

Praxis-Empfehlung: So stellst du dein Paket zusammen

Startpaket (Solo oder Gründer)

  • Betriebshaftpflicht (5 Mio. € Deckung, inkl. Mietsachschäden)
  • Inhaltsversicherung (Summe = Inventarwert)

Ab ca. 20 €/Monat

Komfortpaket (Etablierter Barbershop)

  • Betriebshaftpflicht (5 Mio. € Deckung, inkl. Mietsachschäden)
  • Inhaltsversicherung (Summe = Inventarwert)
  • Betriebsunterbrechung (6 Monate Deckung)

Ab ca. 35 €/Monat

Premiumpaket (Barbershop mit Team)

  • Betriebshaftpflicht (10 Mio. € Deckung, inkl. Mietsachschäden)
  • Inhaltsversicherung (Summe = Inventarwert)
  • Betriebsunterbrechung (12 Monate Deckung)
  • Rechtsschutz (inkl. Arbeitsrecht)

Ab ca. 70 €/Monat

Mehr zu den Kosten findest du auf unserer Kostenseite. Du planst gerade die Eröffnung deines Barbershops? Dann hilft dir unsere Gründer-Checkliste weiter.

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Häufige Fragen zu Versicherungspflichten

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft BGW (gesetzliche Unfallversicherung). Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist zwar keine gesetzliche Pflicht, aber für jeden Barbershop absolut unverzichtbar. Viele Vermieter und Berufsverbände setzen sie voraus.

Die Grundabsicherung (Betriebshaftpflicht + Inhaltsversicherung) ist für beide gleich wichtig. Wer Mitarbeiter hat, braucht zusätzlich die gesetzliche Unfallversicherung über die BGW und sollte eine Rechtsschutzversicherung mit Arbeitsrecht prüfen.

Ohne Betriebshaftpflicht haftest du bei Schäden mit deinem gesamten Privatvermögen. Ein Kunde mit allergischer Reaktion, ein Sturzunfall im Salon – die Kosten können schnell fünfstellig werden. Außerdem lehnen manche Vermieter Mieter ohne Haftpflichtnachweis ab.

Ja, besonders wenn du Mitarbeiter hast. Arbeitsrechtliche Streitigkeiten (Kündigung, Lohnforderungen) können teuer werden. Auch Vertragsstreit mit Vermietern oder Lieferanten kommt vor. Ab einem Mitarbeiter empfehlen wir den Rechtsschutz.

Mietschäden werden über die Betriebshaftpflicht abgedeckt, wenn eine Mietsachschäden-Klausel enthalten ist. Prüfe deinen Vertrag genau: Nicht jede Police schließt Schäden an gemieteten Räumen automatisch ein.